Klassisch harter Onshore
Folgende Photos dokumentieren die letzten drei Surfsessions an der Adria. Die Session Anfang Oktober war zwar nicht episch, aber dafür klassisch. Wie immer waren die üblichen Gesichter frühmorgens am Strand und man freute sich wieder auf die gemeinsame Session. Die Bedingungen waren anfangs klarerweise stark Onshore, aber schlagartig ab dem frühen Nachmittag, ließ der Wind nach und öliglatte Bedingungen herrschten bis zum darauffolgenden Tag an. Besonders schön waren aber an diesen zwei Tagen nicht die Wellen sondern die dort herrschenden Lichtstimmungen. Mal surften wir unter tiefschwarzem Himmel, dann wiederum erwärmten unsere Gesichter Lichtstrahlen, die einen Weg durch den bewölkten Himmel gefunden haben und das atemberaubendste Gefühl löste der Dunkelrote ins Schwarz verlaufende Himmel kurz vor Sonnenuntergang in uns aus.



0815 Adria Surf
Die zweite Session Mitte / Ende Oktober war sehr eigenartig. Wir erwarteten mittelhohe Wellen und wenig Wind, bekommen haben wir aber leider nur kleine Wellen und null Wind. Anscheinend haben die üblichen Surfkumpanen aus Kroatien und Slowenien die Prognose besser interpretiert und beschlossen, gar nicht anzureisen, was einerseits ein Fehler war und für uns positiverweise zu einem leeren Lineup führte. Am ersten Tag surften mein Kumpel und ich knappe sechs Stunden ganz allein und das noch dazu unter strahlend blauem Himmel. Die Wellen waren mit knapp einem Meter nicht spektakulär, aber sehr fein. Später stießen dann noch ein weiterer Surfer und zwei Standup Paddler zu uns. Die Standup Paddler testeten einen Peak weiter östlich, den ich schon einige Male zuvor beobachtet hatte, aber aus Respekt vor dem scharf-spitzen Steinen am Strand und im Wasser nie ausprobiert hatte. Sie machten also damit die Vorhut und nachdem sie meinten, dass die Stelle überhaupt nicht gefährlich wäre und maximal die Finnen den Boden kratzen würden, paddelten wir zu ihnen hinüber und surften alle bis zur Dunkelheit. Kurz durften wir uns ein SUP ausborgen und ich muss zugeben, dass ich mir so ein Ding kaufen würde, wäre es nicht so teuer. Die Handhabung von einem SUP ist aber alles andere als einfach. Der Freund von mir und der andere Surfer mit ihren Shortboards verzweifelten an den zwar gar nicht so kleinen, aber doch kraftlosen Wellen. Es leben die Performance Surfboards ab 7’3” Fuß Länge.






Die unbekannte Longboardwelle
Die schönste und der besten Sessions war aber dann Ende Oktober / Anfang November, also vor knapp einer Woche. Morgen und Dienstag sind zwar wieder Wellen in Kroatien, aber da wir uns im Moment vor grafischer Arbeiten nicht erwehren können, werden wir wohl auf einer spätere Südwindsession warten müssen.
Auf jeden Fall waren die Bedingungen unfassbar hart. Der Südwind wehte schon zwei Tage lang mit heftigen Windstärken aus Nordafrika und sollte ganze vier Tage blasen. Das Mittelmeer unter dem Stiefel von Italien und die gesamte Adria war durch den lang anhaltenden Wind aufgepeitscht. Die Wellen-Außenbojen zeigten Werte von 2.5-3.0 Meter an und im Süden bildete sich eine Wellenmaschine, die ruhelos Wellen die ganze Adria hinaufschob. Jeder, der für diese Session angereist ist, war also nicht zum reinen Vergnügen dort, dafür war die Paddelarbeit einfach zu hart. Wir sind schon am Vorabend angereist und die Bedingungen waren recht moderat und der Himmel nur leicht bewölkt, aber am nachfolgenden Tag erwartete uns ein Schauspiel oder besser eine Weißwasserhölle. Meine Familie und ich beschlossen die Surfsession in Medulin auszulassen und diesen »einen« unbekannten Spot auszutesten, den wir uns für solche harten Tage schon lange aufgehoben haben. 30 Minuten später hielten wir unser kurzes Frühstück vor einem Spot, der einfach unglaublich war. Zwei saubere Linien, fast windstill, kein Surfer weit und breit und fast spiegelglattes Wasser. Die Welle bricht fast langweilig gleich in die selbe Richtung und ist nicht sehr hoch, aber unfassbar sauber und schön. Man könnte sie aufgrund ihrer Beschaffenheit als klassische Longboardwelle bezeichen. Auf jeden Fall surfte ich einen ganzen Tag allein, nur die letzten Stunden vor Sonnenuntergang ist ein Longboarder aus der Nähe zu mir gestoßen und war selbst verwundert, als er mich im Wasser gesehen hat. Für mich war es aber auch schön, die Wellen und die Stimmung mit einem Zweiten teilen zu können. Für ihn war anscheindend meine Anwesenheit auch angenehm und er erzählte mir, dass er seit drei Jahren dort surft und ich der erste wäre, der diesen Spot jetzt außer ihm surfen würde. Da wir uns teils sehr intensiv ausgetauscht haben, verpasste wir auch schon Mal das ein oder andere gute Set. Am nächsten Tag erschienen wir beide wieder fast zeitgleich kurz nach Sonnenaufgang und teilten uns abwechselnd die Wellen. Während die anderen Surfdudes sich mit großen Wellen und harten Bedingungen abmühen mussten, surften wir eine Welle nach der anderen ohne aber dabei ins Schwitzen zu geraten.
ABER diese Welle ist nichts für Shortboarder, denn dafür ist sie fast zu schwach. Sie ist enorm schön und die Ritte auf ihr sind für die Adria sehr lang, aber so schön wie sie sind, sind sie auch sehr kraftlos.
Das dritte Photo zeigt die Wellenreittperspektive, aufgenommen mit einer wasserfesten Wegwerfkamera. Der Ritt auf einer Wellen ist so lang, also ausreichend lang um die Kamera aus dem Neoprenärmel zu ziehen, zu fokussieren und auszulösen.








Der Adria Big Wave Spot
Am Heimweg sind wir noch bei einem anderen Spot stehen geblieben, wo wir hohe Brandung erwarteten, was auch der Fall war. Die Wellen dort brechen links von einer kleinen Bucht, die als kleiner Fischerhafen genutzt wird. Anscheinend ist der umliegende Küstenstreifen links der Buch sehr seicht, denn die Wellen bauen sich schon circa 200-300 Meter weiter in Meer auf und brechen sehr hoch und teilweise hohl in noch surfbarer Zone. Der Shorebreak war aber wirklich besorgniserregend, weshalb ich keinen Versuch gestartet habe. Leider habe ich meine letzte Filmrolle schon vorher verschossen und konnte das Schauspiel nur mehr per Video aufnehmen. Ein kurzes Video wird folgen.
Bis hoffentlich bald wieder in der Adria!






