

Galicien, dort wo man leben möchte
Die meisten Menschen kennen Galicien vom Hören, einige werden wissen, dass Galicien eine Region in Nordspanien ist und andere denken bei GALICIEN an Galizien mit »z« geschrieben, was ein Gebiet ist, dass Teile von der Ukraine und Polen umfasst. Wir aber sprechen von dieser einsamen, rauen Region in Nordspanien am Ende von Europa. Dort, wo vor nicht allzu langer Zeit der Öltanker Prestige bei stürmischer See in Havarie geraten ist und die gesamte Küste schwer mit Öl verseucht hat. Glücklicherweise hat sich die Natur wieder erholt.


Das Herz und die Seele von Galicien ist für uns die Rías Gallegas mit der Costa da Morte, der Teil zwischen den Rías Altas und den Rías Baixas. Der Teil der Küste zwischen Muros und Cabo Vilán.
Für viele Menschen zählt in Galicien wohl nur Santiago de Compostela. Das Ende und Ziel eines jeden Jakobsweg Pilgers. Ohne Zweifel ist diese Stadt wunderschön, historisch wertvoll und abgesehen von der Hauptstadt sehr lebendig. Andere schwärmen wieder für die Wein- und Miesmuschelregion um Pontevedra. Und Städtetouristen werden A Coruna, die Hauptstadt und große Hafenstadt am Ría de Coruna, bevorzugen. Eine der wenigen Orte in Galicien, wo man neben Kunst auch mal einen Designerladen findet, schicke Bars und Diskotheken und das ein oder andere Museum.
Surfer schwärmen wiederum für das Küstengebiet Ferrolterra im äußersten Nordwesten mit seinen Weltklasse-Surfspots wie Doninos, Pantin oder Campelo und den höchsten Felsklippen zum Meer am europäischen Festland. Dass es bei San Andrés de Teixido, übrigens auch eine wichtige Station am historischen Jakobsweg, wie in Irland aussieht, wird weniger bekannt sein. Für Natur- und Meerfanatiker ist Galicien einfach die Perle Europas. Die Küste ist beinahe 1500 Kilometer lang und wer zum Baden und Sonnenliegen nach Galicien will, wird dort schnell unglücklich überrascht werden.


In Galicien sind die Küstenabschnitte meist steinig-felsig und schwer zugänglich, die See rau und stürmisch, das Atlantikwetter oft unbeständig, mit hohen Niederschlägen und starken Winden. Das hinterlässt Spuren bei Land und Leuten, aber auch sattgrüne Wiesenlandschaften und weitläufige Eukalyptuswälder, landschaftlich abwechslungsreiche fjordähnliche Rías und die zahlreichen Flüsse erfeuen das Auge dann sehr. Besonders interessant sind die Meermündungen der Rías, deren Wasserstand von den Gezeiten abhängig sind. Wenn man das erste Mal bei Ebbe dieses Naturspiel sieht, wundert man sich sehr, wenn zahlreich Boote und Schiffe im Schlamm stecken. Schon sechs Stunden später und die Schiffe schwimmen wieder.


Man kann auch gar nicht von einer einzigartigen Landschaft sprechen, vielmehr von unglaublich schönen, vielfältigen Landschaften. Wo immer man sich auch mit oder ohne Ziel durch die Gegenden treiben lässt, trifft man ohne Ausnahme auf herzliche Menschen, durchfährt verschlafene Orte, sieht man romantische Kapellen und verfallene Steinhäuser. Was besonders auffällt, weil einfach immer präsent, sind diese steinernen, nicht zuordenbaren Häuschen auf Grundstücken und Straßen. Am ersten Blick erinnern sie wegen ihrer Kreuze am Dach an Minikapellen oder Wegmarterln. Sie sind unterschiedlich groß und diese typisch galicischen Wegbegleiter sind ganz einfach nur Kornspeicher, »hórreros« oder auch »cabaceiros« genannt. Für archäologisch interessierte Menschen hat Galicien auch vieles zu bieten. Hervorzuheben sind die noch vorhandenen Spuren und zahlreich rekonstruierten Castros mit eisenzeitlichen und keltischen Ursprungs und teilweise liegt ihre Vergangenheit noch weiter zurück. Eines der besterhaltensten Castros keltischen Ursprungs ist das Castro de Baroña nahe der Stadt Porto do Son. Dieser Teil von Galicien befindet sich im südlichen Teil, den Rías Baixas. Die Rías Baixas reichen von Kap Finisterre bis an die portugiesische Grenze und namensgebend sind fjordähnliche Meeresbuchten beziehungsweise gezeitenabhängige überflutete Flusstäler, die teils ganz schön ins Landesinnere reichen.





Im Gegensatz zu den Meeresbuchten des Rías Altas im Norden von Galicien, ist der Küstenstreifen wesentlich flacher und die Wassertiefen der Buchten geringer. Charakteristisch für die Rías Baixas sind der Weinbau, die Miesmuschelzuchten in der Gegend um Pontevedra und vor allem die Surfspots, die glücklicherweise im Schatten der Surfspots des Ferrolterra liegen. Eine Tonne Miesmuscheln, Weißbrot, Pimientos des Padron und dazu eine Flasche Albariño sind neben den beeindruckenden Wellen in der Nähe der Rías -de Muros und -de Arousa das i-Tüpfelchen einer Reise. Mehr zu den einzigartigen Wellen von Galicien gibt es in einem nachfolgenden Absatz über das Wellenreiten in Galicien. Man kann sagen, dass die Rías Altas sich landschaftlich durch hohe Hügel und teils hohe Berge auszeichnen und sattgrün sind, die Rías Baixas eher flacher, trockener und verwinkelter werden und die Rías Gallegas – der für uns schönste Teil von Galicien – die goldene Mitte sind.



Ins Staunen versetzen einen aber nicht nur die Geographie, das Meer oder die Menschen des Landes, sondern auch oder gerade die kulinarischen Besonderheiten. Als einer der fischreichsten Küste Europas bietet Galicien klarerweise den besten Fisch und die besten Meeresfrüchte. Je weiter man ins Landesinnere kommt, desto mehr Alternativen findet man auch zu Fisch. Da gibt es die deftigsten und kräftigsten Eintöpfe mit Speck, Bohnen, Paprika, Blutwurst, Rindsmagen und so weiter. Geräucherten Schinken bekommt man sowieso immer. Wenn man aber diese Eintöpfe nicht probiert hat, kann man nicht behaupten, die galicische Küche gekostet zu haben. Auf den zahlreichen Fischmärkten befinden sich in Kisten Fischarten, die man noch nicht einmal aus Büchern kennt. Die vollen Fischkörbe übertrumpfen sich an Farbintensität und die Händler der Fischverarbeitung und der Restaurants warten wie Geier darauf, dass die Fischer mit ihrem Fang heimkehren, um die besten Stücke zu ersteigern. Die Fischspeisen, die man dann in den Restaurants bekommt, kosten im Verhältnis zu allen anderen europäischen Ländern wenig, um nicht zu sagen, fast nichts. Dafür fallen die Portionen umso größer aus.
Saisonal gibt es die Jakobsmuscheln und Entenmuscheln. Für die Letzteren riskieren galicische Fischer im Winter schon mal ihr Leben, um diese Muschelart bei kalter und stürmischer See zu ernten. Typisch für Galicien ist aber vor allem der gekochte Octopus in Paprika und Olivenöl oder wie man auf kastillisch sagt, Pulpo, und noch interessanter auf Galicisch, Polbo á feira. Und genau dieses besondere Merkmal des Landes, die Sprache, erinnert einen daran, dass man nicht nur in Spanien ist, sondern in Galicien. Das Gallego, also die Sprache dieser Region in Spanien ist genauso einzigartig wie die Landschaft, die Menschen dort, die Gerüche, oder das Meer. Galicisch weist Ähnlichkeiten zum Spanischen auf, aber auch zum Portugiesischen. Also kann man gar nicht eindeutig sagen, ob es ein spanischer oder ein portugiesischer Dialekt ist, oder eine eigene Sprache. Auf jeden Fall ist es so, dass, wenn man Galicisch spricht, Spanisch und Portugiesisch versteht. Darauf näher einzugehen ist unnötig, das selbst Spachforscher keine eindeutige Erklärung zum Ursprung des Gallego haben. Es hat uns anfangs schon irritiert, wenn man anstatt Buenos Dias, Bos Dia hört und anstelle von Adios, Adeus vernimmt. So heißt unten abaixo statt abajo und zum Tresterschnaps sagt man auch Augardente statt Orujo. Nebel heißt Brétema statt Niebla und Tintenfisch Chipirón statt Calamar. Das geht immer so weiter und führen Galicier mal ein flottes Gespräch auf Gallego, versteht man selbst als Spanischsprechender kein Wort mehr.
Das Gallego erlebt man am intensivsten in kleineren Städten und Dörfern, wo auf Fiestas und auf Märkten mit Händlern aus dem Landesinneren Galicisch gesprochen wird. Abgesehen von zwei kleinen Festen, die wir zweimal in Dörfern erlebt haben, war das Corpus Christi Fest das beeindruckenste. Am Tag und in der Nacht vor dem Fest werden auf den Plätzen und kleinen Straßen prächtige Blumenteppiche angefertigt. Dazu verwenden die Menschen verschiedenfarbige Blüten und Blätter und legen sie am Boden der Straßen zu Formen, Mustern und dreidimensionalen Darstellungen auf. Damit die Blüten nicht verwelken, werden sie in regelmäßigen Abständen mit Wasser befeuchtet. Die Erschaffer dieser Bilder sind aber keine eigenen speziellen Künstler, alle Menschen des Ortes sind die Künstler. Alte Frauen, junge Frauen, Kinder und selbst Männer helfen beim Gestalten mit. Diese Fronleichnamsprozession beginnt mit dem Vorausgehen eines Ungeheuers, das die schönsten Mädchen des Ortes fordert. Danach folgen Puppen mit Riesenköpfen und begleitet wird das Spektakel mit Musikern und Dudelsackspielern. Am Tag danach sehen die zertretenen Blumenteppiche nicht mehr so schön aus. In Galicien gibt es unzählige weltliche und kirchliche Feste und jedes ist wohl einen Besuch wert.



SURF EN GALICIA
Wir haben Galicien aber nie allein wegen der Natur und der Kultur bereist, sondern vor allem wegen der surfbaren Wellen. Man kann vielleicht annehmen, dass jeder Surfer, der schon mal die Wellen von Galicien erlebt hat, mit folgendem Satz übereinstimmen wird. »Galicien hat die konstantesten und besten Wellen Europas, an den einsamsten und unberührtesten Stränden und man teilt sie sich meistens nur mit Delphinen!« Wir haben die meisten Strände und Wellen an der Küste bereist und jedesmal, wenn wir einen neuen Strand entdeckt haben, dachten wir uns, dass dieser noch schöner als der vorherige sei.



Am Weg in den Süden
Gleich nachdem wir Asturien hinter uns gelassen haben und die Region Galicien erreicht haben, sind wir nach einer Übernachtung im Caminosurfcamp in Valdovino, Richtung Süden aufgebrochen. Von Ferrol über Betanzos quer durchs Landesinnere nach Santiago de Compostela. Die Stadt haben wir erstmals ausgelassen, da wir ihr zumindest einen ganzen Tag widmen wollten und uns das Meer einmal wichtiger war. Unser Ziel war die Gegend um Rio Sieira oder vielleicht sogar noch südlicher bei Ribeira. Dort wollten wir unser Lager in einer kleinen Pension für einige Tage aufschlagen und von dort aus die Küste abgrasen.


Wir wollten soviel wie möglich von der galicischen Küste erkunden und dabei mit dem Süden beginnen und in der letzten Woche unserer einmonatigen Reise im Norden beim Caminosurf in Valdovino wieder ankommen, um ein paar Tage mit später ankommenden Freunden die Wellen von Ferrolterra abreiten.
Von Santiago de Compostela führen viele Wege ans Meer und wir haben uns den kleinsten und am wenigsten befahrenen Weg ausgesucht. Östlich der Stadt führt eine kleine Straße durch kleine Orte, Wiesen und über einen hügeligen Eukalpytuswald. Viele der kleinen Orten bilden sich nur aus ein paar kleinen Häusern aus Stein, ab und zu sieht man heruntergekommen Villen, die aber einen ehemaligen Glanz noch erkennen lassen. Auf diesem kleinen Weg nach Ponte Maceira über Negreira und dann ans Ría de Muros y Noia, gibt es eine kleine sehenswerte Steinbrücke, über den Rio Tambre. Diese Steinbrücke stammt noch genauso wie sie dasteht, aus römischer Zeit. Sie ist bestens erhalten und wird nach wie vor von Pilgern und Spaziergängern benutzt. Um die Brücke herum bilden sich kleine Inselchen und ein sehr nett anszusehendes Ökosystem aus Wasserpflanzen. Rechts von der Brücke stürzt das Wasser über einen kleinen Wasserfall auf die Brücke zu und umherum stehen Steinhäuser und Villen. Eines davon ein sehr romantisches Restaurant aus Stein war leider geschlossen. Man kann sich aber recht gut vorstellen, dass hier einmal vor langer Zeit das Brückenwächterhäuschen gestanden haben könnte. Der phantasievolle Mensch kann sich an diesem Ort gedanklich schnell in die Antike oder ins Mittelalter zurückversetzen. Dazu tragen auch die wenigen Jakobswegpilger bei, die auch heute noch, am Weg zum Ende der Welt in Muxia, die Brücke überqueren wie einst die Pilger vor tausend Jahren.


Endlich am Meer
Es ist gar nicht so einfach, ein günstige Pension zu finden. Nicht weil die Unterkünfte in Galicien so teuer sind, eher im Gegenteil, aber es gibt einfach sehr wenige. Das liegt vermutlich daran, dass der Tourismus und die dazugehörige Infrastruktur in Galicien wenig ausgeprägt sind. Erstmals in Noia angekommen, haben wir uns entschlossen, doch weiter in den Süden zu fahren. Weil Noia nicht in der unmittelbaren Nähe zu einem Surfspot liegt, haben wir Porto do Son angepeilt. Der Weg dorthin verläuft über eine imposante Küstenstraße und man hat immer einen Blick auf das teils wilde Meer. Wie wir dort waren, lag schon seit Tagen ein Tief über Galicien, das an die drei Meter hohe Wellen an die Küste schob. Pensionen waren nicht zu sehen, also sind wir einfach immer weiter die Küste entlang. An jedem Strand, an dem wir vorbeigekommen sind, machten wir einen Stopp um die Surfbedingungen zu überprüfen. Egal in welcher Bucht, es war entweder gar keine Welle zu sehen, da geschützt oder riesengroß und ungeordnet. Und während wir so durch die Gegend fuhren, hat uns der Zufall in einen kleinen Ort geführt, der sofort unser Herz erobert hat. Der Ort heißt Corrubedo und ist ein sehr kleines Fischerdörfchen. Richtung Meer aus gesehen, befindet sich auf der rechten Seite ein langer Sandstrand mit hervorranden Surfbedingungen. Der Strand ist brutal offen nach Südwesten, bekommt aber bei klassischen NW Swell an den geschützten Ecken im N und S dennoch die Ausläufer ab, deren Sandbänke die besten und schönsten Wellen formen. Grundsätzlich kann man sagen, dass der größte Teil des Swells in Galicien aus NW und W kommt. Wir haben in diesen fünf Tagen an diesem Küstenstreifen unendliche schöne Surfsessions erlebt. Und wir waren meistens allein, ab und zu teilten sich zwei bis drei Locals mit uns die Wellen. In unmittelbarer Nähe zu Corrubedo gibt es einen kleinen, aber feinen Reefbreak, der in keinem Surfguide verzeichnet ist. Es ist unsere Entdeckung und wir haben ihn calle sin salida getauft. Es handelt sich um einen sauberen A-Frame Peak umrandet von einer unglaublich schönen, aber steinigen Kulisse. Corrubedo selbst ist zwar sehr lieb und klein und hat zwei hervorragende Kneippen am Hafen, ist aber städtebaulich wenig attraktiv. Die Häuser wirken teils lieblos und sind auch oft sehr heruntergekommen. Wir nehmen an, dass das einfach mit dem rauen Leben dort zu tun haben könnte. Uns hat es aber trotzdem gefallen, allein schon wegen der Wellen, der Natur und der sehr freundlichen Menschen. Wir haben mitten im Ort in eine kleinen Pension gewohnt. Pension STOP hat sie geheißen und im Erdgeschoß war eine kleine Bar. Der Besitzer der Bar und der Pension ist ein sehr netter, junger Galicier, der anscheinend auch sehr gläubig zu sein scheint, da jedes Zimmer Kreuze und Mariendarstellungen an den Wänden hat. Und ganz im Gegensatz zu seinen Kunden, den rauen Fischern mit ihren von Salz, Wnd und Sonne gezeichneten Gesichtern und den Menschen, die schon um sieben Uhr morgens Bier trinken, hat er nie Alkohol zu sich genommen oder geraucht. Die harten Fischer haben meistens in Ruhe ihr Bier getrunken und selten ein Wort geredet. Nichts konnte sie erschüttern, nicht einmal ein angesagtes Sturmtief, im Gegenteil, einmal haben sie nur laut gelacht, als hoher Wellengang und Regen angesagt wurde. Nur unsere kleine einjährige Tochter konnte mit ihrer kindlichen Frechheit diesen finsteren Gesellen ein ehrliches Lächeln entringen.




Das umliegende Küstengebiet ist auch ein Naturschutzgebiet, wobei man das fast auf ganz Galicien beziehen kann. Ein großer Teil der gesamten Küste und vorallem von der zwischen Ribeira und Malpica an der Costa da Morte ist ein Rückzugs- und Erholungsgebiet vieler Meeresvögel und anderer Tierarten. Die Galicier legen sehr viel Wert darauf, dass dies erhalten bleibt. Wild campen und Müll verbreiten ist absolut untersagt.
Eine Welle nach der anderen und viele Miesmuscheln
Während unserer Tage in Corrubedo sind wir in einem Radius von 60 km die umliegenden Gegenden abgefahren und haben einen guten Surfspot nach dem anderen gefunden. Als hätte es sich jeder einzelne Spot zur Aufgabe gemacht uns zu beweisen, dass er bessere Wellenbedingungen hätte als der andere. Besonders heftigen Swell haben wir nahe der Keltensiedlung Castro de Barona gefunden. Dieser kleine Küstenstreifen von ungefähr 20 km Länge hat bestimmt die höchsten und konstantesten Wellen von Galicien. Wenn dort nichts geht, gibt es vermutlich nirgendwo Wellen. Für uns besonders reizvoll und für die meisten Surfer weniger schön, ist oft die mühevolle Zugang zu den Spots, die nicht vorhandene Infrastruktur, so gut wie keine Pensionen und das fehlende Nightlife; abgesehen mal vom Wetter.
Unbedingt muss man bei Ribeira Miesmuscheln essen gehen oder eine Miesmuschel-Schiffstour gemacht haben. Im gesamten Ría de Arousa und seinen Orten gibt es Miesmuscheln und den besten Weißwein in Westeuropa. In der weitläufigen Bucht befinden sich hunderte Miesmuschel-Zuchtbänke, also kein Raubbau an der Natur. Das einzig weniger schöne dieser Gegend ist, dass sie für galicische Verhältnisse recht verbaut ist und sich eine kleine Stadt nach der anderen reiht. Das zieht sich leider, bis auf wenige Abschnitte bis nach Portugal durch. Bei Carreira nahe von Ribeira und am Ende des ewig langen Praia de Ladeira gibt es auch noch eine sehr surfenswerte Welle, wenn alles andere zu groß oder Closeout bricht. Der Untergrund ist zwar wieder aus Sand, aber die Left bricht sich entlang der runden Felsen am Ende der Bucht wie ein Pointbreak. Mit dem Auto direkt zum Spot zu fahren ist nicht leicht, weil zum einen der größte Teil um Ladeira ein Naturschutzgebiet ist und keine Straße direkt zu der Stelle führt. Wir beenden die Reise in den Süden von Galicien kurz vor der portugiesischen Grenze an einem Surfspot namens Patos. Leider ist an jenem Tag keine Welle gebrochen und konnten daher den einzigen klassischen Reefbreak nicht in seiner vollen Pracht erleben.
Auf dem Weg in den Norden
Unser Ziel für die nächsten Wochen war der Norden von Galicien, den wir über die Küste ab Muros, über die Costa da Morte und A Coruna angesteuert haben. Das Städtchen Muros ist aus vielerlei Gründen als Anlaufstation interessant. Erstens befindet sich ein paar Kilometer weiter nördlich einer der schönsten Surfspots von Galicien, an dem wir selbst am Wochenende nur drei andere Surfer gesehen haben. Weiters ist Muros im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern und Kleinstädtchen sehr lebendig und hat städtebaulich einen sehr lieben Charme.


Die Strandpromenade dürfte der Mittelpunkt des Treibens sein und wenn man wie wir das Glück hat, zufällig zum Corpus Christi Fest dort zu sein, erlebt man schon einiges. Am Corpus Christi Fest werden die Straßen mit Blumenblüten-Teppichen geschmückt und die darauffolgende Prozession sollte man schon erlebt haben. Ab Muros in nördlicher Richtung merkt man schon einen landschaftlichen Wechsel, der besonders am Küstenstreifen erkennbar ist. Die Küste wird etwas rauer, die Felsenküste höher und das Gras saftiger. Die Landschaft ist weniger trocken als im südlichen Teil. Man benötigt für den Weg von Muros nach Cabo Fisterra sehr lang, da sich die Straße dem extremen Küstenverlauf und den Rias sich anpasst. Bei Muxia am Meer stößt man zum ersten Mal außerhalb von Santiago de Compostela wieder auf große Gruppen von Pilgern. Es heißt, dass das eigentlich Ende der Jakobpilgerung nicht die Stadt selbst wäre, sondern Muxia am Meer; genauer gesagt am Ende der Welt bei Muxia. Im Mittelalter war dort aufgrund des rauen Meeres ein natürlicher Halt für jeden und da man nicht wusste, was hinter dem Meer ist, war dies das Ende der Welt. Die meisten Jakobspilger hören schon in Santiago de Compostela zu wandern auf und lassen sich mit Bussen, zur Vervollständigung des Pilgerweges, nach Muxia führen um dann von dort wieder in die Heimat zu fliegen. Ich persönlich würde, wenn ich schon den Jakobsweg gehe, ihn auch zu Fuß bei Muxia beenden und auch wieder zu Fuß zum Ausgangspunkt zurückkehren.




Der nächste längere Aufenthalt war in Malpica, einer kleinen Stadt relativ Nahe zu A Coruna. Die Stadtbild ist wie bei so vielen galicischen Städten und Dörfern leider nicht besonders schön. Man darf jetzt nicht sagen, dass die Kleinstädte und Dörfer hässlich sind, sind sie nicht, aber treffender ist der Ausdruck lieblos. Auf verzierte und aufwendige Gebäudefassaden wird kein großer Wert gelegt und auch die Altstadtteile vermitteln nicht den Charme eines alten südspanischen Stadtkernes. Aber wir sind nicht im Süden sondern in Nordspanien und noch dazu in einer der rauesten Gegenden Europas mit vermutlich dem zweithöchsten Niederschlag nach Irland, was sich vermutlich gerade an den Stadt- und Dorfbildern auswirkt.


Galicien steht bestimmt nicht für Städtetourismus, ausgenommen A Coruna und Santiago de Compostela, aber auf jeden Fall für Natur- und Landschaftsurlaube. Auch lohnt es sich allein wegen der außergewöhnlich guten und fischreichen Küche in diese spanische Region zu fahren. Das Angebot, die Portionen und die Qualität der Speisen in den meisten Fischrestaurants sind so einzigartig und können mit Sicherheit von keinem anderen Land überboten worden. Wir waren in unserer Heimat und selbst an der Adria, wo wir ein Drittel des Jahres sind, in keinem Fischrestaurant mehr und grillen Fisch höchsten zu Hause, weil man durch Galicien einfach zu verwöhnt wird. Hinzu kommt, dass es heute schon unverantwortlich gegenüber der Natur (Logistik) und dem Fischfang ist, Meeresfische in Mitteleuropa zu essen.



Nachdem die Fischer vom Fang zurückkehren, stürzen sich schon die Händler und Gastronomen wie die Geier auf das Futter. In einer großen Lagerhalle wird der Fisch und das übrige Meeresgetier in Kisten auktionsartig versteigert. Die Händler und Käufer sind bei diesem täglich Ereignis so aufgeregt, dass wir als Beobachter mit unserer Kamera überhaupt nicht auffallen. In Malpica gibt es mitten in der Stadt einen Strand mit einer kleinen Promenade und ein paar Strandbuden. Der Strand ist optisch nicht sehr einladend, aber es brechen sehr feine surfbare Wellen.
Nächster Halt A Coruna
Die Stadt ist groß, laut, voller Autos und im Inneren einmal sehr eng. Zum ersten Mal sieht man viele Menschen wie es in einer Metropole üblich ist und plötzlich wirkt auch alles etwas hektischer. A Coruna oder La Coruna wie man die Stadt außerhalb von Galicien nennt, kennen die meisten Menschen in Europa wohl nur aus der Fußball Champions League und weniger für besondere Sehenswürdigkeiten. Zwei Dinge fallen in A Coruna aber sehr auf. Zum einen ist das der Torre de Hércules, ein gigantischer Leuchtturm und zugleich Wahrzeichen der Stadt und zum anderem das Fußballstadion unmittelbar neben der großen Strandpromenade. Der große Hafen von A Coruna mit seinen Containerschiffen ist natürlich auch nicht zu übersehen. Dem Surfer werden wohl auch die wirklich guten Wellen mitten im Zentrum der Stadt auffallen. Bewegt man sich im Zentrum der Stadt durch die zahlreichen Straßen und Gassen, findet man doch romantische Speiselokale und liebevolle Läden. Viel mehr lässt sich zu A Coruna nicht sagen, außer, dass man dort im Vergleich zu den übrigen Städten in Galicien richtig ausgiebig ein Nachtleben genießen kann. Wir waren aber auch nur zwei Tage in der Stadt und vielleicht benötigt man doch mehr Tage, um die Stadt in einem anderen Licht zu sehen.
Die letzten Tage haben wir im sogenannten Gebiet Ferrolterra verbracht und die gesamte Küste und Teil des Landesinneren bis Ribadeo an der Grenze zu Asturien erkundet und abgesehen von einigen Abstechern nach Ferrol und Betanzos, die meiste Zeit an Stränden genossen, sind viel gesurft und haben uns vom Übermaß an Eindrücken und von den Strapazen der viele Ausflüge erholt. Der Norden von Galicien war für uns landschaftlich nicht mehr so spektakulär und auch aus Surfersicht schon ewtas überlaufen im Vergleich zur Mitte und zum Süden. Landschaftliche Ausnahmen findet man dennoch Nahe dem Cabo Ortegal wo man von den höchsten Klippen in Europa das Meer betrachten kann. Hier finden sich dann doch noch ein paar ungesurfte Surfspots. Am Weg nach Viveiro gelangt man in gebirgsartiges Gebiet und stellenweise kommt man sich wie auf einer Alm vor. Auf der Hochebene kurz bevor es wieder bergab nach Ortigueira geht, befinden sich außer einer satt grünen Gras und Steinlandschaft nichts, außer Wildpferde. Jedes Mal, wenn wir diese Straße zurück von unseren Ausflügen nach Ribadeo zurück nach Valdovino gefahren sind, wurden wir vom Nebel überrascht. Die Wälder durchtränkt mit Nebel wirken wie aus einer Märchenlandschaft, wo nur noch die Feen und Magier fehlen.



Die Strände von Ferrolterra sind schon sehr schön und der Surf ebenfalls sehr gut, nicht umsonst haben sich Spots wie Pantin, Campelo oder Doninos einen Namen in der Surfwelt gemacht, aber wie so oft, gibt es Geheimtipps und unbekannte Spots, die zu Unrecht im Schatten derer liegen. Aber, vielleicht liegt es nur daran, dass in Galicien selbst wenige Surfer sind, im Süden noch weniger und das Wetter sehr häufig schlecht ist, weshalb wiederum wenige Surfer hierher pilgern. Gerade das erwähnte Pantin hat surftechnisch am wenigsten Freude bereitet, weil es für galicische Verhältnisse fast voll war und auch voller Touristensurfer. Und wenn man schon am Ende der Welt ist, dann möchte man sich wenigstens mit Einheimschen unterhalten und Neues erfahren. Bei aller Bekanntheit, aber der Spot Campelo gehört schon irgendwie zu den oberen Zehntausend der Surfspots, weil er einerseits sehr romantisch ist und andererseits Top Wellen hält, selbst wenn die übrigen Surfspots entweder stürmisch sind, zu hoch sind oder nur noch Close Out´s liefern.

Auf unserer Reise entlang der sagenhafte Küste Galiciens, haben wir soviele schöne Strände und Wellen gesehen, wie in keinem anderen Land zuvor. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit und zeigt man Interesse an der galicischen Kultur, erfährt man dann schon viel Wissenswertes. Wir wollen noch öfter nach Galicien reisen und auch noch länger leere Lineups vorfinden und deswegen verraten wir keine besonderen Details und erwähnen Orte und Küsten nicht immer namentlich. Wenn man einmal in Galicien gesehen hat, fällt es wohl sehr schwer nicht öfter diese Gegend zu bereisen oder man möchte sogar dort bleiben.










