Letztens haben wir noch vom Telemark Skifahren geschwärmt und gemeint, dass der Spaß und das Gefühl dabei, dem Wellenreiten um nichts nach steht, aber das stimmt nicht! Wellenreiten bleibt einfach Wellenreiten und ist für uns unerreicht und die schönste Bewegungsform der Welt.
Vier Tage Wellenreiten
Nach einer so langen Wartezeit von knapp vier Monaten, wurden endlich wieder gute Wellen an der Adriaküste vorausgesagt. Der erste Swell in diesem Jahr, der durch den Südwind (Jugo) produziert wird und die gesamte Adria und auch das Mittelmeer im Süden aufpeitschen wird.
Am Samstag, den 12. März 2011, hat die Wind- und Wellenvorhersage für Sonntag den 13. März und ebenso für die darauffolgenden Wochentage bis Mittwoch, sehr kräftigen Wind angesagt. Soviele Tage Wind aus Süden ist eine sehr seltene Erscheinung und musste unbedingt erlebt werden. Endlich wieder Wellenreiten und vollkommen egal, wie kalt die Bedingungen sind. An der oberen Adria ist das Wetter im Moment noch lang nicht frühlingshaft und das Wasser nur knapp im zweistelligen Celsiusbereich. Aber was macht man nicht alles, für ein paar surfbare Wellen. Wir mussten aber für Mitte der Woche noch einen Auftrag zu Ende bringen und haben beschlossen, das gesamte Wochenende vorzuarbeiten, um dann die ganze Woche mit Surfen und Wandern nützen zu können. Montag morgens gings recht schnell an die Südspitze von Istrien und direkt an unseren letztens entdeckten Longboard-Spot. Wellen waren zwar da und sie brachen sehr sauber von rechts nach links, immer gleich, wie an einem klassischen Point. Einzig die Frequenz der Wellensets war etwas mager und die Wellen mit knapp 0,75 Meter auch nicht sehr kräftig. Wir wollten nicht unsere ganze Kraft in dem kalten Wasser verbrauchen und fuhren zum bekannten Spot nach Medulin, weil dort mit Sicherheit höhere und stärkere Wellen zu erwarten waren.
Medulin am Montag
Es tat gut, wieder an unserem geliebten alten felsigen Surfstrand zu stehen und eine sanfte Brise Südwind einzuatmen. Die Wellen waren ein Traum und am linken Peak brachen teils hohe und hohle Wellen und das Lineup absolut menschenleer. Ich war mit meinem geliebten 8’0” Hybrid allein im Wasser. Der Himmel war bewölkt, der Horizont nicht klar erkennbar und verdeckt durch eine nebelartige Wand. Hinter mir, am Land, sah ich ein paar Bauern, die gerade ihre Kraut- und Rübenäcker bearbeiteten. Eine schönere Stimmung gibt es weder in den Bergen noch auf irgendwelchen Skipisten. Für kurze Zeit wechselte ich zum rechten Peak hinüber, dort wo die Wellen steiler und schneller sind, aber ich bin nicht lang dort geblieben, weil ich an diesem Tag stressfreies Surfen bevorzugte. Schnelle, späte Take offs sind mit meinem Board nicht so einfach und überhaupt ist die linke Welle länger und schiebt auch langsamer. Nach fast vier Stunden im Wasser, musste ich selbst mit meinem 4 mm Wetsuit der Kälte nachgeben.
Kabbelwellen und Wind
Am Dienstag sind wir wieder recht früh zur Longboard Welle, wurden aber leider enttäuscht. Die Welle war wieder extrem schön, aber einfach zu schwach. Die klassischen, langen Ritte, waren einfach nicht möglich, also sind wir wieder nach Medulin. Überraschender Weise waren zwei andere Surfer im Wasser und irgendwie war ich auch darüber froh, einmal nicht allein im Wasser zu sein. Die Wellen waren wirklich nicht schön. Das Wasser sehr unruhig, kabbelig und die Wellen unberechenbar und schwer zu lesen. Meistens hatte man nur ein bis zwei Sekunden Zeit den grünen Teil der Welle zu surfen, bis sie in sich zusammenbrach. Ab und zu, nahe dem Channel, gab es eine längere grüne Wand, die aber aufgrund der Gegenströmung, keine Kraft hatte. Wir beendeten schon nach drei Stunden die Surfsession und bekamen bei unserem Freund, Boris Ivancic dem Betreiber der Windsurfschule, in Premantura ein echt istrisches Abendessen. Frisch gemachtes Brot, hausgemachten istrischen Prsut, selbst gepflückten Wildspargel vom Kap Kamenjak und dazu weissen Tramenac Wein.


Der große Mittwoch (Adriatric Big Wednesday) an der Adria
Die Wetterprognose vom Vorabend ist zur Gänze eingetroffen. Die gesamte Bucht vom Kap Kamenjak bis nach Medulin war aufgewühlt und alle vorgelagerten Insel mit Weisswasser umspült. Der große Swell war eingetroffen und natürlich fuhren wir diesmal nicht wie geplant nach Medulin, sondern gleich zur Longboardwelle. Den Stress, der uns in Medulin erwartet hätte, wollten wir nicht. Es ist kein Vergnügen bei harten Onshore Bedingungen zu surfen. Das Hinauspaddeln hinter die Wellen, ins Line up, ist enorm kräfteraubend und manchmal nicht machbar. Die Channels schließen sich oft nach großen Sets und wenn man seine Position nicht halten kann, dann verpasst man oft die paar Sekunden und das Tor hinaus hinter die Wellen. Einmal draußen positioniert, bedeutet noch lange nicht Ruhe, denn die Onshore Strömung ist extrem stark und zieht einen schnell in die Weisswasserzone, wo man sich wieder hinauskämpfen muss. Untrainierte Surfer verlieren schnell ihre Kraft, die ihnen dann beim Anpaddeln der Wellen fehlt.
Aber diese harte Arbeit erwartete uns nicht, im Gegenteil. Wir hatten an unserem Longboardspot die schönste Surfsession, die man an der Adria bei solchen Bedingungen haben kann. Die Wellen waren an diesem Mittwoch wirklich hoch. Die höchsten Sets erreichten schon mal 1.5 Meter und die Ritte waren traumhaft lang. Die Welle ist so schön und bricht immer gleich, fast auf den Meter genau und macht das Wellenreiten richtig einfach und entspannt. Man wird an diesem Spot schnell verwöhnt und der weniger genügsame Surfer, wird sich wohl schnell langweilen. Langweilen, weil es keine Überraschungen gibt. Man gelangt binnen Sekunden hinter die Wellenlinie, man kann die Position recht leicht halten und der Take off Punkt liegt immer an der gleichen Stelle. Es regnete in Strömen, der Wind war stark und das Wasser furchtbar kalt. Nach jeder Welle wollte ich aufhören, aber jeder Surfer weiß, dass man immer noch eine wirklich letzte Welle surfen will. So vergehen Stunden, bis man dann aus dem Wasser kommt.




Die Bedingungen sollten noch bis Freitag anhalten, aber viel Arbeit erwartete uns. Aber wer weiß, vielleicht gibt es schon kommende Woche wieder irgendwo eine Welle in Kroatien.






